{"id":435,"date":"2010-12-07T10:11:54","date_gmt":"2010-12-07T08:11:54","guid":{"rendered":"http:\/\/ufwiederguegs.ch\/?p=435"},"modified":"2011-01-18T08:41:46","modified_gmt":"2011-01-18T06:41:46","slug":"polizei-und-beulen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ufwiederguegs.ch\/?p=435","title":{"rendered":"Polizei und Beulen"},"content":{"rendered":"<p>Montag, 6. Dezember 2010<\/p>\n<p>Wir haben eine sch\u00f6ne ruhige Nacht verbracht und nutzen die noch relativ k\u00fchlen Morgenstunden um unser Dachschlafzimmer wieder auf Vordermann zu bringen. Wir haben es leider hier im Iran noch nie benutzen k\u00f6nnen, da es einfach zu kalt und jeweils am Morgen zu Feucht war. So feucht dass sich da oben leichter Schimmel gebildet hat und somit nicht zum schlafen einlud. Aber die kommende Nacht soll wieder im grossen weichen Bett geschlafen werden. Ich schnappte mir das Javel-Wasser und schrubbte was das Zeugs h\u00e4lt. 1 Stunde sp\u00e4ter glitzerte und blinkte der Dachstock wie neu J<\/p>\n<p>Thomas nutze die Gelegenheit und schmiss sich nat\u00fcrlich wieder einmal unters Auto. Diesmal war die Kupplung dran und wurde sch\u00f6n brav eingeschmiert (Das Ausr\u00fccklager macht sich mal wieder bemerkbar und das nach erst gut 10\u2019000km als wir die komplette Kupplung ersetzt hatten). Auch Alia kam auf Ihre kosten und legte sich mit den Krebsen im Wasser an, aber leider ohne Erfolg. Was \u00fcbrig blieb war ein nasser und sandiger Hund, aber Hauptsache Happy J<\/p>\n<p>Heute wollen wir nach Bandar E- Lengeh um essen einzukaufen und Wasser zu tanken. (Nein man staune, Thomas hat es noch nicht geschafft die Angelroute ins Wasser zu setzen, er hat Angst vor einer Niederlage ;-)) (oder einfach keine passenden K\u00f6der\u2026)<\/p>\n<p>Da es noch fr\u00fcher Vormittag ist, scheint die Sonne zum Gl\u00fcck nicht direkt ins Cockpit und somit wird es auch keine 40 Grad und wir k\u00f6nnen die sch\u00f6ne Fahrt direkt am Meer entlang endlich geniessen. Aber unser Gl\u00fcck soll wohl nicht vor langer Dauer sein.<\/p>\n<p>Nach ca. 30 Kilometer Fahrt kommen wir im Bootsbauerdorf Bandar-Kong an. Thomas f\u00e4hrt langsam, damit wir nach Wasser suchen k\u00f6nnen. Und da: wir sichten einen Park und biegen an der n\u00e4chsten Kreuzung rechts ab. Um jedoch an den Park zu kommen \u00a0bedarf es noch einem 180 Grad U-Turn und wir w\u00e4ren da gewesen\u2026.ja Gewesen!! Mitten in der Kurve h\u00f6ren wir pl\u00f6tzlich M\u00e4nnerstimmen schreien und dann knallt es auch schon. Scheisse, wir m\u00fcssen denen wohl volle Kanne den Weg abgeschnitten haben. Wir sprangen aus dem Auto um die Unfallstelle zu begutachten. 2 Jugendliche, einer davon mit blutendem Gesicht, der andere scheint unverletzt zu sein. Daneben liegt noch eine Gasflasche, die sie wohl auf dem Motorrad transportiert haben. Ich sprang hinten ins Haus um Verbandszeugs zu holen. Als ich jedoch wieder draussen war, sass der Verunfallte bereits in einem Auto um in den Spital zu fahren. Ich konnte ihm grad noch einen Verband durchs Fenster reichen und dann brauste das Auto auch schon davon. Mir zitterten die Knie als ich zur\u00fcck zur Unfallstelle lief und das Motorrad am Boden liegen sah. Immer mehr Menschen versammelten sich ums Auto, Motorr\u00e4der, Autos alle blieben sie mitten auf der Strasse stehen und glotzen uns an.<\/p>\n<p>Dutzende Schaulustige schlichen ums Auto. Ich sicherte die Hintert\u00fcre damit nicht irgendjemand auf die Idee kommt die T\u00fcren aufzureissen (Das ist hier so \u00fcblich, einfach erst mal die T\u00fcre aufreissen und hallo sagen).<\/p>\n<p>Thomas stand derweil mit all den Leuten im Kreise, es wurde viel diskutiert und gestikuliert. Aber dazu sagen konnte er nicht viel, zumindest nicht so dass ihn jemand Verstand. Zum Gl\u00fcck gesandte sich noch ein Lastwagenfahrer dazu, der Gottseidank sehr gut Englisch sprach und somit uns etwas helfen konnte. Nach ca. einer halben Stunde kam der Vater der verunfallten sowie die von ihm geforderte Polizei hinzu. Diese r\u00e4umtem das ganze Chaos endlich mal etwas auf. Alle die auf der Strasse standen wurden mit scharfer Stimme davon gescheucht und vertrieben. Nun mussten wir unsere P\u00e4sse und die Fahrzeugdokumente vorweisen und dann hiess es auch schon \u201eplease follow\u201c.<\/p>\n<p>Na gut. Vor uns stand also ein Polizei-Motorrad und ein Polizei Auto. Wir setzten uns ins Auto und folgten den beiden Fahrzeugen.Bis am n\u00e4chsten Kreisel einer von Ihnen die erste Ausfahrt nahm und der andere die Zweite\u2026Super, wohin jetzt? Das Polizeiauto winkte uns und somit dachten wir los, hinterher. Falsch gedacht. Das Polizeiauto hielt 100 Meter sp\u00e4ter an und als ob der Kreisel den Beamten das gesamte Gehirn gel\u00f6scht h\u00e4tte, stieg er aus und fragte uns erneut nach den P\u00e4ssen und den Fahrzeugdokumenten. Man, so langsam waren wir echt genervt (und gestresst und \u00fcberhitzt und \u00fcberhaupt). Nach erneuter Kontrolle aller Papiere nickte er und meinte dass wir dem Polizei-Motorrad h\u00e4tten folgen m\u00fcssen. (Toll, das h\u00e4tten sie uns auch fr\u00fcher sagen k\u00f6nnen). Das Motorrad kam auch gleich angetuckelt und wir folgten nun also diesem bis zum n\u00e4chsten Polizeiposten. Thomas ging ins Revier und ich haltete mit Alia draussen die Stellung. Nach und nach sah ich dann weitere Personen in das Revier laufen, die ich bereits auf der Unfallstelle.<\/p>\n<p>Bericht von Thomas:<\/p>\n<p>\u201eDie Schuldfrage war schnell gekl\u00e4rt, ich h\u00e4tte dem Motorrad nicht den Weg abschneiden sollen. Keine Frage. Dass die Jugendlichen ohne F\u00fchrerausweis und Helm unterwegs waren, Interessiert in erster Linie keiner. Der Polizeiposten war zu Beginn lediglich von zwei Beamten besetzt. Kurz darauf kam der \u00e4ltere Bruder der verunfallten und der Lastwagenfahrer, welcher bereits an der Unfallstelle super als Dolmetscher zur Verf\u00fcgung stand, hinzu. Es wurden nochmals alle Dokumente \u00fcberpr\u00fcft, nach dem Grund unserer Reise und dem weiteren Verlauf gefragt. Da ich meinen F\u00fchrerausweis im Auto vergessen hatte, gab ich ihnen den Schweizer Fahrzeugausweis, als Fahrzeugausweis musste dann das Carnet de Passage herhalten. \u00dcber die Richtigkeit der Dokumente wusste keiner genau Bescheid, auch als ich versicherte unsere Greencard (leider nur bis in die T\u00fcrkei g\u00fcltig) sei eine Weltweite Fahrzeuginsurance, stutze keiner den Anwesenden. Die Beamten schienen sehr interessiert daran diese Sache m\u00f6glichst schnell und unkompliziert zu l\u00f6sen. Leider waren diese zwei aber nicht die Entscheidungstr\u00e4ger\u2026 Es kam noch der Vater der beiden (er hat demnach drei Jungs) hinzu, welcher der eine noch immer in Spitalpflege war.<\/p>\n<p>Als weiteres kam der n\u00e4chst h\u00f6here Polizeikomandat mit zwei Sternen auf den Schultern. Nochmals wurde alles erz\u00e4hlt, die Dokumente vorgezeigt, \u00fcber Allah und die Welt diskutiert. Zun\u00e4chst ging es darum dem Vater eine gewisse Summe als Schadenersatz f\u00fcr das defekte Motorrad sowie die Arztkosten zu bezahlen. Ich gab an nicht mehr als 50$ Reserve zu haben, da wir das restliche Geld f\u00fcr die \u00dcberfahrt nach Dubai ben\u00f6tigen. Dies war dem Vater aber nicht genug, 100$ sollten es schon sein. Unser Dolmetscher (Mgtba ist sein Nachname?) war schon fast auf dem Weg zur Bank um uns die fehlenden 50$ zu schenken, wovon ich ihn nat\u00fcrlich umgehend abgehalten habe. Die 100$ bezahlen wir schon selbst, keine Frage!<\/p>\n<p>Gut, der Vater hatte ein l\u00e4cheln auf dem Gesicht, nun ging es darum die Sache mit der Polizei zu regeln. Zwei weitere h\u00f6here Beamten in Zivilkleidung kamen auf den Posten, \u00fcberpr\u00fcften die Papiere sowie den Inhalt unserer Box. Es wurde im Speziellen nach einem Laptop (warum sage ich auch immer das ich in der Schweiz mit Computern zu tun habe), Waffen oder Pfeffersprays gesucht. Gl\u00fccklicherweise hatte ich Susanne noch warnen k\u00f6nnen und unser Laptop lag versteckt vorne bei Alia in der Fahrerkabine. Wieder standen wir alle im Kreis, 7 Beamte, mein \u00dcbersetzer und ich\u2026 und wir warteten auf den Obersternegeneral welcher die ganze Sache entscheiden k\u00f6nne. Nach 15 Minuten trifft er ein, der erste Polizeibeamte in dieser Runde welcher Englisch spricht. Nochmals gehen wir alle Fragen durch, der Zentralcomputer in Tehran nach weiteren Straftaten durchsucht, Carnet de Passage, Visum und Versicherung \u00fcberpr\u00fcft und zuallerletzt unsere Box von ihm h\u00f6chstpers\u00f6nlich durchsucht und endlich gibt er das OK. Wir sind frei!! Noch ein paar gut gemeinte Tipps zu Fahrsicherheit und wir m\u00fcssen eine Stunde bei unserem Dodge vor der Polizeistation warten bis unsere P\u00e4sse und Visa kopiert wurden. Dies erledigte aber zum Gl\u00fcck unser neuer Freund Abdullah, dazu aber mehr von Susanne.\u201c<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieser ganzen Prozedur wartete ich geduldig mit Alia im Auto und fing bereits an Blog zu schreiben. Da l\u00e4uft ein unscheinbarer Herr mit Turban auf dem Kappis am Auto vorbei und fragte mich was denn Passiert sei. Ich schilderte Ihm also kurz unsere Geschichte und gut war. Er schlich noch eine Weile draussen rum, jedoch v\u00f6llig unauff\u00e4llig. Als ich mit Alia kurz an der Promenade langging kamen ich mit dem Herrn der Abdullah hiess ins Gespr\u00e4ch. Er lebte eine Weile in Dubai, desswegen sprach er auch so gut Englisch. Seine zwei Fischerboote die er Besitzt seien grad auf hoher See um Beute zu machen. Da fragte er mich ob wir Fisch m\u00f6gen und ehe ich dies bejahen konnte sass er bereits auf seinem Moped um Fisch zu holen. Keine 5 Minuten sp\u00e4ter kam er mit einer T\u00fcte feinstem Fisch zur\u00fcck und \u00fcberreichte sie mir. Ob ich noch mehr Sachen ben\u00f6tige fragte er mich\u2026Brot, Gas, Wasser\u2026Anything you need\u2026Ich lehnte nat\u00fcrlich dankend ab\u2026der Fisch war schon mehr als Genug und ich war wieder einmal vollkommen perplex von dieser Gastfreundschaft. Dies sollte jedoch erst der Anfang sein.<\/p>\n<p>Als Abdullah mit den Kopierten P\u00e4ssen und Visas zur\u00fcck kam und Thomas endlich von der ganzen Fragerei der Polizei befreit war, schlich Abdullah sich zu ihm und dr\u00fcckte Ihm umgerechnet 100 Dollar in die Hand. Wir m\u00fcssen uns keine Sorgen machen, er habe genug Geld, wir sollen nicht drauf achten wie er angezogen sei, er sei Reich und ihm gehe es gut. Widerstand war zwecklos, Thomas versuchte mit allen Mitteln das Geld nicht anzunehmen, aber bevor das ganze noch in Streit ausartet Steckte er sich die Noten in die Tasche. Wir bekamen den Kinnladen einfach nicht mehr geschlossen\u2026Wie kann einem so was passieren?<\/p>\n<p>Nun waren wir befreit, alles Polizeiliche war geregelt und wir konnten uns auf die Suche nach einem Rastplatz f\u00fcr die Nacht machen\u2026wir haben dringend eine Pause n\u00f6tig. Der Lastwagenfahrer wusste einen sch\u00f6nen Park der er uns zeigen wollte. Also setze er sich bei Abdullah hinten aufs Motorrad und wir folgten den Beiden. Kamen jedoch nicht weit. Beim ersten Gem\u00fcseh\u00e4ndler wurde angehalten und wir wurden mit Fr\u00fcchten, Gem\u00fcse und Wasser f\u00fcr die gesamte kommende Woche eingedeckt. Wir mussten erst gar nicht versuchen unser Portemonnaie zu z\u00fccken, Abdullah regelte das.. Dann ging es weiter\u2026. Immer weiter\u2026 Er zeigte uns das Brautmodengesch\u00e4ft seiner Tochter, danach werden wir gebeten kurz zu warten und er l\u00e4sst einen kleinen Einkaufsmarkt \u00f6ffnen, welcher eigentlich gerade Siesta hatte.<\/p>\n<p>\u201eNehmt was ihr wollt! Was braucht Ihr? Reis? Milch? Brot?\u201c<br \/>\nDa f\u00e4llt uns als Europ\u00e4er nichts mehr ein\u2026 Als Abdullah denkt wir seien zu zur\u00fcckhaltend, l\u00e4sst er diverse Dinge wie 5kg Reis, den besten Schwarztee, ein riesen Pack Kaugummis etc. einpacken. Mit vollen S\u00e4cken beladen wir unser Haus.<\/p>\n<p>Nun soll es Richtung Park gehen wo wir \u00fcbernachten k\u00f6nnen. Der Park wird 24 Stunden \u00fcberwacht und liegt ca. 2km ausserhalb der Stadt am Meer. Doch zuvor h\u00e4lt Abdullah nochmals an. Er hat eine Fr\u00fcchteverk\u00e4uferin am Strassenrand entdeckt welche noch viel die sch\u00f6neren Orangen verkauft, als die welche wir schon geschenkt bekommen haben. 4kg Orangen und eine Tasche voller Bananen werden uns von ihm \u00fcberreicht. So nun reicht\u2019s es endg\u00fcltig! Oder? Denkste\u2026Gleich daneben steht eine Tankstelle \u2013 ob wir noch Benzin br\u00e4uchten? NNNEEEEEIIIINNNN!!! Unsere Tanks sind zwar fast leer (und das weiss Abdullah auch), aber es reicht nun endg\u00fcltig. Seine Freude uns zu beschenken h\u00e4tte kein Ende genommen. So konnten wir in letzter Sekunde noch verhindern, dass er unsere Tanks mit Benzin f\u00fcllen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Wir knipsen noch ein Abschiedsfoto, tauschen die Mobile-Nummern aus und fahren zum Park. Es sind ein paar Wenige noch am Pick-Nicken, ab und zu interessieren sich Kinder f\u00fcr Alia, aber alles mit dem n\u00f6tigen Respekt und Abstand.<\/p>\n<p>Die Fische, die wir von Abdullah bekommen haben, m\u00fcssen nur noch ausgenommen, gew\u00fcrzt und mit ein paar Knoblauchzehen in eine Alufolie gewickelt werden. Als Beilage gibt es Reis und halbierte gebratene Tomaten. 20 Minuten sp\u00e4ter ist unser Tisch lecker gedeckt J<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Tag?? Im Bett liegen wir noch lange mit offenen Augen und k\u00f6nnen nicht begreifen was an diesem Tag alles passiert ist. Wir sind heilfroh dass den Verunfallten nichts Schlimmeres passiert ist und wir nochmals mit einem blauen Auge davongekommen sind. Wir sind von so viel Hilfsbereitschaft einfach erschlagen\u2026Todm\u00fcde fallen uns dann letztendlich die Augen zu\u2026.M\u00f6gen morgen alle Motorradfahren einen Helm tragen.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag, 6. 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